Essen

Foodhacking – Wahrheiten über das Essen

(Lesezeit 5 Minuten)

Foodporn und Körperkult

Das Sprichwort lautet: Du bist was du ißt. Noch wichtiger ist jedoch: Du sollst auch essen, aus was du bist. Hedonisten, die Essen vor allem wegen des Genusses zu sich nehmen, werden als Sozialromantiker von den Stoikern verlacht, denen es vorrangig um den Nutzen der Nährstoffe geht. Dieser Blogbeitrag ist dein Fixstern. Du erfährst einige Wahrheiten, die vor 10 Jahren gültig waren und es aller Wahrscheinlichkeit nach, in 10 Jahren auch noch sein werden.

Foodhacking & Biohacking

Der Trend des Foodhacking leitet sich ab aus dem allgemeinen Trend des Biohacking. Beim Biohacking geht es darum die Funktionen des Körpers zu entschlüsseln und äußere „Umstände“, wie z.B. die Nahrung, so aufzubereiten, dass Körperfunktionen optimiert werden können.

In Punkto Ernährung hat man den Eindruck, es wird jede Woche eine neue Sau durchs Dorf getrieben. Da gibt es die Low-Carb Vertreter, die Kohlehydrate verbannen. Dann die Veganer, die am liebsten alle tierischen Lebensmittel verbieten würden.
Die Low-Fat Vertreter und die High-Fat Vertreter, Missionare der ketogenen Ernährung, Verfechter der guten alten Trennkost usw.

Die aktuellsten Foodtrends sind:

* Paleo Ernährung (Essen wie die Steinis)
* Ketogene Ernährung (weniger als 50 Gramm Kohlehydrate am Tag)
* Low Carb Ernährung (kein Weißmehl, Nudeln, Brot, Kartoffeln, Reis)
* Slow Carb Ernährung (Kohlehydrate, die eine moderate Insulinausschüttung bewirken)
* Vegetarische Ernährung (Verzicht auf Fleisch)
* Vegane Ernährung (Genereller Verzicht auf tierische Produkte)

Extreme Diäten für extreme Ziele:

* High Carb (So genanntes Carb-Backloading nach einem intensiven Training, mit dem Ziel Muskelaufbau, bei gleichzeitigem Fettabbau)
* Bulking (Fressattacken, für maximalen Masseaufbau)
* High Fat Ernährung (60% des Essens wird als Fett zu sich genommen, nützlich im Extrem Ausdauersport.)

(Mehr Infos zur High Fat Ernährung – klick hier)

Um die Verwirrung nicht noch schlimmer zu machen, bekommst du hier keine Rezepte. Es gibt massenhaft Blogs, Kochbücher und Kochsendungen darüber, wie man gutes Essen zubereitet und trotzdem wird die Bevölkerung immer dicker. Was den Menschen fehlt sind einige wenige Fixpunkte, an denen sie sich orientieren können. Fixpunkte, die auch in einem oder in zehn Jahren noch Gültigkeit haben. Einige unumstößliche Wahrheiten, auf die sie immer wieder zurück greifen können, wenn sie sich im Dschungel der Essenstrends verloren haben.

Körperkult

In den 70er und 80er Jahren, als der Wohlstandsbauch der Nachkriegszeit, von der Aerobic Welle abgelöst wurde, begann das Zeitalter des modernen Foodhacking. Die Röcke wurden kürzer und die Menschen dünner. Die Waage wurde das erste und bevorzugte Messinstrument und ist es bis heute geblieben…

Foodhacking hat also im Prinzip jeder betrieben, der sich schon mal auf eine Waage gestellt hat. Es geht um Messen und Optimieren.

Der renommierte und bekannteste deutsche Trendforscher Matthias Horx beschreibt in der Trendstudie „Sportivity“, dass der Körperkult in den nächsten Jahren alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durchdringen wird.

Gründe dafür liegen einerseits an einem veränderten Statusbewusstsein. Heute zählt nicht mehr, welches Auto man fährt oder wie viel Geld man auf dem Konto hat, sondern der Six Pack oder ob man einen Handstand beherrscht. Andererseits liegen Gründe für ein neues Körperbewusstsein an vermehrten Zweifeln daran, ob die Schulmedizin auf Fragen der Zukunft noch die richtigen Antworten liefert.

Zweifel am Essen.

Zurzeit sieht es doch so aus: Immer mehr Menschen leiden an Zivilisationskrankheiten wie Adipositas oder Bluthochdruck; psychischen Krankheiten wie Depression oder Burn out, oder einer wachsenden Zahl von Autoimmunkrankheiten wie Reizdarm oder Diabetes. Besonders ältere Menschen halten diese Entwicklungen für normal und eine natürliche Begleiterscheinung des Alters.

Zweifellos ist das Problem komplexer, als es allein der Ernährung in die Schuhe zu schieben. Trotzdem lohnt sich an dieser Stelle ein kurzer Ausflug in die Geschichte unseres Essens.

Die Bienen und Gele Royal

Immer, wenn wir Menschen ein aktuelles Problem haben, lohnt sich ein Blick darauf, wie Mutter Natur die Dinge regelt.

Gelée Royale oder Weiselfuttersaft, ist der Futtersaft, mit dem die Honigbienen ihre Königin aufziehen.

Mit diesem Gemisch aus den Sekreten der Futtersaftdrüse und der Oberkieferdrüse der Arbeiterinnen werden die Bienenlarven während der ersten drei Larvenstadien gefüttert und erhalten dadurch einen enormen Wachstums- und Entwicklungsschub. Die Larve der Königin bekommt Gele Royal (ein Zucker, Wasser, Proteingemisch) und die Larve der Arbeitsbiene Pollen und Honig.

Allein das, was eine Biene also zu essen bekommt entscheidet darüber, ob sie eine Königin wird oder eine Arbeitsbiene.

Du bist was du ist – Die DGE

1953 gründete sich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, DGE, die erstmals festlegte was gute und was schlechte Ernährungsprinzipien sind. Diese Prinzipien sind bis heute die Standards in unserem Gesundheitssystem!

* Viel Getreide, Kartoffeln, Nudeln (50 – 60% der Tagesmenge)
* Gemüse (20 – 30%)
* Obst (10 – 15%)
* wenig Fleisch und tierisches Protein (5%)
* wenig Fett (2-3%)
* überwiegend pflanzliche Fette
* möglichst Vollkorn Ernährung

Dem schlauen Leser dürfte nicht entgangen sein, dass es sich offensichtlich um Lebensmittel handelt, die nach dem Krieg leicht verfügbar waren. Dass diese Standards heute noch gesund sind, bzw. jemals gesund waren, darf angezweifelt werden.

40.000 Jahre BC

Die Steinzeit Ernährung, wurde durch Prof. Dr. Loren Cordain, unter dem Namen Paleo System sehr populär. Bei der Paleo Ernährung geht es im Prinzip um die Frage: „Welcher Lebensstil war notwendig damit der Mensch sich evolutionär durchzusetzen konnte.
Dazu ein kurzer historischer Überblick:

  • Die Genetik des Menschen ist seit ca. 40.000 Jahren mehr oder weniger unverändert. (Ein Baby das 10.000 Jahre vor Christus geboren wurde ist genetisch identisch mit einem Baby, das 2017 geboren wurde.)
  • Lebensumstände, Alter, die Qualität des Genmaterials lassen sich durch Lebensumstände, Ernährung etc. beeinflussen (Der Name dieses noch jungen Wissenschaftszweiges ist die Epigenetik)
  • Der menschliche Organismus ist historisch betrachtet auf Fettstoffwechsel ausgelegt. Getreide hat der Mensch erst seit gut 10.000 Jahren auf seinem Teller, Milch und Milchprodukte seit ca. 8000 Jahren und die Kartoffel ist eine Entdeckung des 16. Jahrhunderts. (Anm.: Es gibt essentielle Fettsäuren, essentielle Aminosäuren aber keine essentiellen Kohlehydrate)
  • Hormone, Neurotransmitter, Verdauung etc. sind optimiert, um dem Menschen am Morgen und mit leerem Magen zu Höchstleistungen zu befähigen. Am Morgen sind die Stressachsen aktiv: Das sympathische Nervensystem, das Stresshormon Cortisol, Wachstumshormone etc. Am Nachmittag übernimmt das parasympathische System und läutet die Erholung ein… Der Steini musste zuerst mit knurrendem Magen jagen gehen, um das Essen für den Tag heran zu schaffen. Erst am Nachmittag war Zeit für Entspannung und um den Nachwuchs aufzuziehen.
  • Der Kühlschrank und damit die Lagerung von Lebensmitteln ist eine Erfindung aus dem Jahre 1937.
  • 1950 eröffnete der erste Supermarkt und ermöglichte den permanenten Zugriff auf Lebensmittel.

Zurück zum Steini?

In grauer Vorzeit, als Energie in Form von Fett Mangelware war und der Körper täglich gefordert wurde, war Fettzunahme und körperliche Belastbarkeit überlebenswichtig. Heute ist es umgekehrt: Energie gibt es im Überfluss und der Körper wird nicht mehr gebraucht. Körperliche Anstrengung muss simuliert werden, um Energie abzubauen und Muskeln und Herz- Kreislaufsystem zu erhalten bzw. zu stärken.

Iss aus was du bist

„Da nahm Gott der Herr Staub von der Erde, formte daraus den Menschen und bließ ihm den Lebensatem ein.“ (1. Buch Mose Kapitel 2)
Bereits die Bibel weißt uns darauf hin, dass der Mensch aus natürlichen Substanzen besteht. Das woraus der Mensch besteht gibt ebenfalls eine Orientierung was sich der Mensch in den Mund stecken sollte.

Substanzklassen:

Wasser: ca. 60%
Eiweiß: ca. 16% (Proteine, Aminosäuren)
Lipide: ca. 10% (Fette)
Kohlenhydrate: ca. 1.2% (Zucker)
Nucleinsäuren 1% (DNA, Traäger der Erbinformation)
Mineralstoffe 5%

Glutamat, Glyphosat und Konsorten gehören sicher nicht dazu…

Fazit

Auf dem Weg zu Kraft, Gesundheit und Energie läuft vieles wie so oft im Leben nach den try & error Prinzip. Ausprobieren, lernen und wieder ausprobieren. Ich persönlich stelle mich ich kein Lager, was die absolute Wahrheit für sich beansprucht. Das macht auch gar keinen Sinn. Zu unterschiedlich sind wir Menschen in Körper und Stoffwechsel. Mir persönlich gefällt hier ein eher intuitiver Ansatz, der sich am persönlichen Ziel und dem eigenen Antrieb orientiert. Der eigene Antrieb gibt vor, wie schnell man ein Ziel erreichen kann. Einen Marathon kann man unter drei Stunden laufen oder unter drei Tagen. Beides sind legitime Ziele, benötigen jedoch einen unterschiedlichen Grad der Motivation und Vorbereitung.

Ganz nach Bruce Lee:
„Nimm an, was nützlich ist. Lass weg, was unnütz ist. Und füge hinzu, was ganz aus dir selbst kommt.“

Hinterlasse einen Kommentar oder ein Like zu diesem Artikel.:

Pics:www.pexels.com
Quellen: Woraus besteht der Mensch?