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Wie du mit Hilfe von Kohlendioxid mehr aus dem Sauerstoff herausholst

(Lesezeit ca. 7 Min./ Video 1 Minute)

Der Mund ist zum Essen, die Nase zum Atmen da…

In diesem Artikel bekommst du einen Überblick über die Frage, warum die Atmung die wichtigste und gleichzeitig, die am meisten unterschätze lebenserhaltende Funktion ist. Alles was du dazu brauchst, ist ein einfaches Verständnis davon, wie deine Atmung die Sauerstoffversorgung deines Körpers beeinflusst. Du erfährst die Funktion von Sauerstoff und Kohlendioxid und lernst zu beurteilen, wie fit du wirklich bist. Und du bekommst das Wissen und die Atemtechnik, um die Sauerstofffreisetzung auf zellulärer Ebene zu optimieren.

So merkwürdig es auch klingen mag, es ist nicht der Sauerstoff, der die Atmungsaktivität am meisten beeinflusst, sondern das Kohlendioxyd.

Die richtige Atmung hängt nämlich von der richtigen Menge an Kohlendioxyd ab, die in der Lunge zurück gehalten wird. Dabei wirkt das CO2 wie ein Zugangsventil, durch das der Sauerstoff in die Muskeln gelangt.

Wer zum Beispiel beruflich bedingt viel sprechen muss, unter schnarchen leidet oder keuchend auf einem Laufband vor sich hinstrampelt, der hyperventiliert. Das führt dazu, dass das optimale Verhältnis Sauerstoff / Kohlendioxyd kippt und der Körper den Sauerstoff nicht richtig verstoffwechseln kann.

Richtig gelesen, die meisten Menschen atmen unbewusst und häufig zu viel Sauerstoff ein.

Sauerstoff ist der Treibstoff, den die Muskeln brauchen, um effizient zu arbeiten. Es ist jedoch ein Irrtum, dass ein größeres Luftvolumen durch die Einatmung die Sauerstoffversorgung des Blutes erhöht.

Die Sauerstoffsättigung des Blutes durch Atmung zu erhöhen ist nicht möglich, da dies ohnehin meistens vollständig gesättigt ist. Das Problem ist nicht der Mangel an Sauerstoff im Blut, sondern dass nicht genug Sauerstoff aus dem Blut an die Gewebe und Organe abgegeben wird. Das führt zu Erschöpfung, weil zu viel Kohlendioxid ausgestoßen wurde.

Kohlendioxyd ist der Schlüssel zur Freisetzung des Sauerstoffs aus den roten Blutkörperchen. Die daniederliegenden Zusammenhänge bezeichnet man als Bohr Effekt. Der Bohr Effekt erklärt wie die Abgabe von Sauerstoff an die aktiven Muskeln und Organe funktioniert.

CO2 – Mehr als ein Abfallprodukt

Kohlendioxid erfüllt im menschlichen Körper eine Reihe von lebenswichtigen Funktionen, darunter:

√ Abgabe von Sauerstoff aus dem Blut, damit es den Zellen zur Verfügung steht
√ Dehnung der glatten Muskulatur in den Wänden der Atemwege und Blutgefäße
√ Regulierung des pH.-Wertes im Blut

Zu viel Atmung kann zu einer verminderten Durchblutung führen. Im Extremfall reichen wenige Sekunden schwerer Atmung aus, um die Blutzirkulation im gesamten Körper einschließlich im Gehirn, zu reduzieren. S. Video:

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DAS SAUERSTOFF PARADOXON . 30 Atemzüge reichen mir, um die Blutzirkulation im gesamten Körper, einschließlich im Gehirn derartig zu reduzieren, dass eine kurze Bewusstlosigkeit eintritt. Auch wenn das Ziel eine transzendente Bewusstseinserweiterung ist, hat das Phänomen eine körperliche Erklärung, die in ihrer Umkehrung für Athleten, Menschen, die viel Sprechen müssen oder Schnarcher interessant ist… . So merkwürdig es auch klingen mag, es ist nicht der Sauerstoff, der die Atmungsaktivität am meisten beeinflusst, sondern das Kohlendioxyd. . Kohlendioxid fällt beim Abbau von Fetten und Kohlehydraten an, die wir essen. Das überschüssige CO2 wird aus dem Gewebe und den Zellen zurück in die Lunge geführt und abgeatmet. Entscheidend ist, dass ein Teil zurück gehalten wird. . Die richtige Atmung hängt von der Menge an Kohlendioxyd ab und führt dazu, dass die richtige Menge Kohlendioxyd in der Lunge verbleibt. . DER MUND IST ZUM ESSEN DIE NASE ZUM ATMEN DA . Wer beruflich bedingt viel sprechen muss, unter schnarchen leidet oder keuchend auf dem Laufband vor sich hinstrampelt, hyperventiliert. Das führt dazu, dass das Verhältnis Sauerstoff / Kohlendioxyd kippt und die der Körper den Sauerstoff nicht richtig verstoffwechseln kann. . Richtige gelesen, die meisten Menschen atmen unbewusst und zu viel Sauerstoff ein!!! . Indem wir uns nicht nur darauf konzentrieren wie viel wir essen, sondern auch wie viel wir atmen, sorgen wir für das richtige Maß sauerstoffgesättigter Zellen, die unseren Körper effektiver arbeiten lassen. . #innerfire #meditation #yoga #intuition #breathing #breathingtechniques #firebreathing #intuitivathletik #derintuitiveathlet #strong #strength #powerofbreath #artofbreath #biohacking

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Indem wir uns also nicht nur darauf konzentrieren wie und wie viel wir essen, sondern auch wie und viel wir atmen, sorgen wir für das richtige Maß sauerstoffgesättigter Zellen, die unseren Körper effektiv arbeiten lassen.

Wie stellen wir also sicher, dass wir richtig atmen, um unser einzigartiges Atmungssystem optimal zu nutzen?

Atemregulation – Messen des Atemzugvolumens mit dem Body-Oxygen-Level-Test (BOL-Test)

Die Atemfrequenz (Die Geschwindigkeit / Anzahl der Atemzüge) und das Atemzugsvolumen (Die Menge) werden durch Rezeptoren im Gehirn gesteuert. Diese arbeiten ähnlich wie ein Thermostat, der das Heizsystem in einem Haus reguliert. Diese Rezeptoren überwachen jedoch nicht primär die Temperaturschwankungen, sondern den pH-Wert des Blutes und die Kohlendioxid / Sauerstoffkonzentration. Steigt der Kohlendioxidwert über einen bestimmten Wert an, regen die Rezeptoren die Atmung an, um das überschüssige Gas loszuwerden.

Eine sehr einfache Übung, um die Wirkung von Kohlendioxid auf den Atemreiz zu erleben, ist die folgende:

Atme sanft durch die Nase aus und halte deine Nase mit den Fingern zu. Während du den Atem anhältst, sammelt sich CO2 in deinem Blut und schon nach kurzer Zeit signalisieren die Rezeptoren in Gehirn und Nacken den Atemmuskeln, wieder zu atmen um den Überschuss loszuwerden.

Erste Signale finden in Form von Schluckreiz oder leichten Kontraktion der Muskeln im Nacken oder Magen statt. So lange bis das Verlangen nach Luft dich überkommt und du wieder einatmen musst.

Der BOLT misst genau diese Zeitspanne, bis zum ersten Atemimpuls nach der letzten Ausatmung. Es geht nicht darum, den Atem mit Willenskraft so lange wie möglich anzuhalten, sondern nur bis der erste natürliche Atemimpuls kommt.

Wenn du deine Atemeffizienz und deine VO2max (Das Maß wieviel Sauerstoff der Körper in einer Minute belastendem Training transportieren und verwenden kann), verbessern willst, dann empfehle ich dir den BOLT einmal durchzuführen.

1. Atme durch durch die Nase ein und lass die Luft normal durch die Nase ausströmen.
2. Halte die Nase mit deinen Fingern geschlossen.
3. Stoppe die Sekunden, bis du den ersten deutlichen Drang zum Atmen verspürst oder du eine körperliche Anspannung fühlst, die dich zum atmen zwingt. (Das Bedürfnis zu schlucken, Bewegung des Magens, auftretende Nervosität…)
4. Nase öffnen und wie gewohnt einantmen. Wenn du tiefer atmen musst als normal, dann hast du wahrscheinlich zu lange gewartet.
5. Lass den Atem normal weiter fließen.

Der BOLT ist ein Test, keine Atemübung

Wenn du den BOLT zum ersten mal machst bist du vielleicht überrascht wie niedrig der Wert ist. Aber auch viele Sportler haben einen niedrigen BOLT, ohne es zu wissen. Der Durchschnittswert für eine Person, die regelmäßig mit mitlerer Intensität trainiert liegt bei 20 Sekunden.

Ziel ist einen BOLT von 40 Sekunden zu erreichen. Je niedriger der BOLT, desto schlechter sind Stoffwechsel und Atemzugsvolumen aufeinander abgestimmt. Umgekehrt, je höher der BOLT, desto besser wird der Sauerstoff verstoffwechselt.

Verbesserung des BOLT durch Höhentraining

Wie du in drei Schritten deine Sauerstoffverwertbarkeit verbesserst:

1. Atme Tag und Nacht durch die Nase
2. Vermeide seufzen
3. Vermeide tiefe Atemzüge beim gähnen

Beobachte deine Atmung. Eine gute Atmung ist kaum sicht- und hörbar.

Wenn du einen Schritt weiter gehen willst, dann erzeuge während deines Trainings einen ständigen „Lufthunger“. Atme während einer Trainingseinheit weniger, als du denkst atmen zu müssen. Schon dadurch, dass du konsequent durch die Nase atmest verlangsamt sich deine Atmung, was zu einem Lufthunger führt.

Geübte setzen in einem Training Atempausen ein. Wenn du zum Beispiel Läufer bist kannst du jede Minute deine Atmung für 5 – 10 Schritte aussetzen und dann reduziert weiter atmen.

Die Vorteile einer konsequenten Nasenatmung sind:

√ Erhöhung des BOLT Wertes und mehr Wohlbefinden
√ Steigerung des VO2max.
√ Vermeidung von Übertraining
√ Anheben der aeroben Grenze durch simuliertes Höhentraining

Fazit

Seit ca. vier Wochen wende ich in meinem Alltag und Training konsequente Nasenatmung und Atemreduktion an. Dieser Artikel und meine Selbstexperimente stützen sich dabei im Wesentlichen auf das Buch von Patrick McKeown – Erfolgsfaktor Sauerstoff.

Der erste unmittelbare Effekt war eine übermäßige Austrocknung der Naseschleimhäute, was zu einem Anschwellen derselben führte, so dass ich nachts mit offenem Mund schlafen musste. Hier konnte ich jedoch mit Nasenspülungen mit warmen Salzwasser Abhilfe schaffen. Inzwischen hat meine Nase sich daran gewöhnt und alles ist wie vorher.

Gestartet bin ich mit einem BOLT Wert von 20 Sekunden. Innerhalb von vier Wochen konnte ich meinen BOLT Wert auf inzwischen 27 Sekunden steigern. Nasenatmung und Atempausen setze ich ein, beim Laufen in mittlerem Tempo, beim Intervall Training (ca. 15 Minuten) und während der Meditation.

Lufthunger führt besonders in der Meditation dazu, dass ich mich noch mehr auf meinen Atem fokussieren muss und mich damit schneller und tiefer in Flow Zustände bringen kann.

Meine nächsten Schritte sind die Anschaffung eines VO2max Messgerätes und eines Pulsoxymeters.

Literaturempfehlung

Erfolgsfaktor Sauerstoff – Patrick McKeown

Die kraft der Kälte – Wim Hof

Dein Fan

Volker

Fotonachweis: www.pexels.com